2002 drehte der Verein Projekt Im Laufen mehrere Kurzfilme. Einer dieser Kurzfilme war eine filmische Umsetzung von Arthur Schnitzlers Kurzgeschichte "Die Grüne Krawatte".
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Wenngleich kein unmittelbarer Erfolg mit dem Film erzielt werden konnte, so hinderte uns dies nicht daran, den Film Jahre später auf Youtube zu stellen.
Die weitere Entwicklung geschah zu unserer Überraschung: Der Film ist mit Abstand der beliebteste unserer Werke geworden, aus für uns nicht erwarteten Gründen: Eine Vielzahl von Anfragen aus dem deutschsprachigen Raum, beweist, dass der Kurzfilm offensichtlich unter SchülerInnen auf reges Interesse stößt, die so wie wir anno dazumal die Kurzgeschichte bzw Schnitzler im Schulunterricht bearbeitet haben.
Daher nun der eigens dafür eingeführte Schwerpunkt.
Weiter unten finden sich der Volltext der Schnitzlerschen Kurzgeschichte, gefolgt von unserem Kurzfilm.
Für SchülerInnen:
Anfragen, bezüglich Interpretationen, Analysen usw werden grundsätzlich nur im Forum beantwortet. Es gibt schon einen eigenen Thread dafür, der die häufigsten Fragen zu Auslegung und Verständnis beantwortet. Weitere Fragen können dort mit uns und den sonstigen ForumsnutzerInnen diskutiert werden. (Auch Gäste können posten. Über Lob im Gästebuch freuen wir uns übrigens auch).
Besonders gute Aufsätze, Hausarbeiten etc. werden gerne verlinkt.
Für Lehrkräfte:
Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, den Film - nach Rücksprache - in den Unterricht einzubauen.
Falls wider Erwarten sonstige Mitwirkung im Rahmen des Unterrichts erwünscht werden würde, kann allenfalls Kontakt aufgenommen werden. Es darf darauf hingewiesen werden, dass einige unserer Mitglieder zum Thema Antisemitismus (1800 bis heute) geforscht haben, auch sonst sind interdisziplinäre Ansätze andenkbar.
Kontaktaufnahme per Email: projektil klammeraffe kortz punkt at
Im weitesten Zusammenhang hier relevant ist unser Drehbuch zu einem Film über Antisemitismus in Wien in den 1920ern unter dem Titel Born 1900. (Schnitzler lebte in Wien und beschäftigte sich auch literarisch mit dem Thema Antisemitismus, was auch eine Interpretationsebene der Grünen Krawatte ist.)
Volltext:
Die Grüne Krawatte
Arthur Schnitzler
Ein junger Herr namens Cleophas wohnte zurückgezogen in seinem Hause nah der Stadt. Eines Morgens wandelte ihn die Lust an, unter Menschen zu gehen. Da kleidete er sich wohlanständig an wie immer, tat eine grüne Krawatte um und begab sich in den Park. Die Leute grüssten ihn höflich, fanden, dass ihm die grüne Krawatte vorzüglich zu Gesicht stehe, und sprachen durch einige Tage mit viel Anerkennung von der grünen Krawatte des Herrn Cleophas. Einige versuchten, es ihm gleichzutun, und legten grüne Krawatten an wie er – freilich waren sie aus gemeinerem Stoff und ohne Anmut geknüpft.
Bald darauf machte Herr Cleophas wieder einen Spaziergang durch den Park, in einem neuen Gewand, aber mit der gleichen grünen Krawatte. Da schüttelten einige bedenklich den Kopf und sagten: „Schon wieder trägt er die grüne Krawatte… Er hat wohl keine andere…“ Die etwas nervöser waren, riefen aus: „Er wird uns noch zur Verzweiflung bringen mit seiner grünen Krawatte!“
Als Herr Cleophas das nächste Mal unter die Leute ging, trug er eine blaue Krawatte. Da riefen einige: „Was für eine Idee, plötzlich mit einer blauen Krawatte daherzukommen?“ Die Nervöseren aber riefen laut.
„Wir sind gewohnt, ihn mit einer grünen zu sehen! Wir brauchen es uns nicht gefallen zu lassen, dass er heute mit einer blauen erscheint!“ Aber manche waren sehr schlau und sagten: „Ah, uns wird er nicht einreden, dass diese Krawatte blau ist. Herr Cleophas trägt sie, und daher ist sie grün.“
Das nächste Mal erschien Herr Cleophas, wohlanständig gekleidet wie immer, und trug eine Krawatte von schönstem Violett. Als man ihn von weitem kommen sah, riefen die Leute höhnisch aus: „Da kommt der
Herr mit der grünen Krawatte!“
Besonders gab es eine Gesellschaft von Leuten, der ihre Mittel nichts anderes erlaubten, als Zwirnsfäden um den Hals zu schlingen. Diese erklärten, dass Zwirnsfäden das Eleganteste und Vornehmste seien, und hassten überhaupt alle, die Krawatten trugen und besonders Herrn Cleophas, der immer wohlanständig gekleidet war und schönere und besser geknüpfte Krawatten trug als irgendeiner. Da schrie einmal der Lauteste unter diesen Menschen, als er Herrn Cleophas des Weges kommen sah: „Die Herren mit der grünen Krawatte sind Wüstlinge!“ Herr Cleophas kümmerte sich nicht um ihn und ging seines Weges.
Als Herr Cleophas das nächste Mal im Park spazieren ging, schrie der laute Herr mit dem Zwirnsfaden um den Hals: „Die Herren mit der grünen Krawatte sind Diebe!“ Und manche schrieen mit. Cleophas zuckte die Achseln und dachte, dass es mit den Herren, die jetzt grüne Krawatten trugen, doch weit gekommen sein müsste. Als er das dritte Mal wieder kam, schrie die ganze Menge, allen voran der laute Herr mit dem Zwirnsfaden um den Hals: „Die Herren mit der grünen Krawatte sind Meuchelmörder!“
Da bemerkte Cleophas, dass viele Augen auf ihn gerichtet waren. Er erinnerte sich, dass er auch öfters grüne Krawatten getragen hatte, trat auf den Gesellen mit dem Zwirnsfaden zu und fragte: „Wen meinen Sie denn eigentlich? Am Ende mich auch?“ Da erwiderte jener: „Aber, Herr Cleophas, wie können Sie glauben –? Sie tragen doch gar keine grüne Krawatte!“ Und er schüttelte ihm die Hand und versicherte ihn seiner Hochachtung.
Cleophas grüsste und ging. Aber als er sich in gemessener Entfernung befand, klatschte der Mann mit dem Zwirnsfaden in die Hände und rief: „Seht ihr, wie er sich getroffen fühlt? Wer darf jetzt noch daran zweifeln, dass Cleophas ein Wüstling, Dieb und Meuchelmörder ist?!“
Kurzfilm: