Konkurs, Inflation, Volkswirtschaft - der Wirtschaftsthread

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Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel in Österreich

Post by dejost » 18 Sep 2018, 15:04

Als Zielpunkt vor wenigen Jahren pleite ging, rückte die Konzentration am österreichischen Lebensmitteleinzelhandels-Markt wieder ins Blickfeld:
Etwa 85% hatten damals Spar, Rewe und Hofer.

Daran hat sich im Wesentlichen nichts geändert - Zielpunkt ist schon weg, dafür gibt es jetzt Lidl - die Top 5 haben 95% des Markts (Bei den Top 5 ist noch MPreis dabei, den gibt es eher im Westen, ich zumindest kenne keinen Standort).

Quelle zB https://derstandard.at/2000087553034/Ho ... um-Chancen

Was sich aus der Diskussion auch ergibt ist, dass für neue Marktteilnehmer kein Platz ist - im wörtlichen Sinne: In den Ballungsräumen gibt es alle paar 100m Spar- und Rewefilialen, die größeren Standorte zB am Rand der Ballungsräume und Orte sind schon Hofer und je nachdem Merkur oder Interspar etc. Lidl hat öfter mal seine Filialen einfach neben die vom Hofer gebaut, das heißt wer einsteigen will muss entweder sehr viel Geld in die Hand nehmen.

https://diepresse.com/home/wirtschaft/u ... nzelhandel
Die 100 umsatzstärksten Händler in Österreich erwirtschaften mit rund 36 Mrd. Euro mehr als die Hälfte (56 Prozent) des gesamten Einzelhandelsumsatzes. Die Top-10 kommen auf einen Anteil von mehr als einem Drittel des Gesamtvolumens. Dominiert wird die Branche vom Lebensmittelhandel.

Rewe (Billa, Merkur, Adeg, Penny), Spar, Hofer und Lidl sind die umsatzstärksten Einzelhandelsunternehmen in Österreich. Zusammen erwirtschafteten diese 2016 einen Bruttoumsatz von mehr als 18 Mrd. Euro. Die drei umsatzstärksten Einzelhandelsunternehmen stellen mehr als ein Viertel des gesamten Einzelhandelsumsatzes. Die umsatzstärksten Branchen nach dem Lebensmitteleinzelhandel sind der Möbelhandel, der Bekleidungshandel und Baumärkte, ergab eine Auswertung des Handelsverbandes.
Mehr dazu, ua Graphiken unter dem Presse-Link.

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Willkommen im freien Markt - Airline verklagt Fluggast, weil er billige Tickets gekauft hat

Post by dejost » 18 Feb 2019, 14:25

Willkommen im freien Markt - Airline verklagt Fluggast, weil er billige Tickets gekauft hat

Wenn einem ein Volkswirt vorrechnet, wie die freie Marktwirtschaft für alle am besten ist, dann geht das immer nur unter einigen Annahmen.
Eine ist perfekte Information (aller!) Marktteilnehmer.
Wenn aber der Konsument zur Abwechslung diese Information hat und anwendet, wird er vom Vertragspartner verklagt. In Deutschland.
Die erste Instanz hat es zwar abgewiesen, aber die Klägerin macht natürlich weiter.

https://futurezone.at/digital-life/hidd ... /400410689
Wer sich durch den Dschungel der Online-Flugpreise kämpft, wird feststellen, dass es riesige Unterschiede und nicht nachvollziehbare, starke Preisschwankungen gibt. Diese unterschiedlichen Preise machen sich Reisende offenbar immer mehr zunutze, um an günstigere Tickets zu kommen. Die deutsche Airline Lufthansa, geht jedenfalls nun gegen Kunden vor, die den so genannten "Hidden City-Hack" nutzen.

Bei diesem Diskont-Trick buchen Fluggäste nicht den teuren Flug zwischen zwei beliebten Städten.
Sondern eine längere Verbindung mit Umsteigen, das ist - wieso weiß vermutlich wieder nur der theoretisch perfekt infortmierte Marktteilnehmer - teilweise lächerlich billiger. Es wird aber nicht umgestiegen, sondern eben anderweitig weitergereist. Im Anlassfall hat der Kunde, der hier jetzt verklagt wird, über 2000 € gespart.
Das geht natürlich gar nicht im freien Markt, drum klagt die Lufthansa den Fluggast auf das Geld, welches er gespart hat. Das erstinstanzliche Gericht hat abgeweisen, Rechtsmittel folgten.

Ein Experte weist auch noch darauf hin, dass es für die Fluglinien sehr aufwändig ist, solche Gäste zu identifizieren. Die klagen also nur, um mittels Rechtsstaat Leuten Angst zu machen, die den freien Markt getreu dessen Regeln zum eigenen legalen Vorteil nutzen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Fluglinien dafür medial eines auf die Glocke kriegen - Kortz.at versucht hiemit, einen Beitrag dazu zu leisen.

PS: Sofern ich mich richtig erinnere, gibt es bei uns Ordnungsstrafen für böswillige Klagsführung (ob die hier vorliegt, weiß ich nicht, aber der Fuzo-Artikel weist sehr in diese Richtung).

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Re: Konkurs, Inflation, Volkswirtschaft - der Wirtschaftsthread

Post by harald » 22 Feb 2019, 23:34

In Deutschland dürfte aufgrund eines früheren BGH Urteils zum Auslassen eines früheren Segments eine Unsicherheit entstanden sein, ob dieses BGH Urteil auch auf das letzte Segment anzuwenden ist.

Der Anwalt und Mandant zum gegenständlichen Verfahren geben immer wieder Einblicke ins Verfahren und zwar hier:

https://www.vielfliegertreff.de/lufthan ... hnung.html

User Kexbox ist der Anwalt und der Mandant gibt auch Infos von sich.

Dort erfährt man auch, dass die Lufthansa eine Klagsrücknahme der eigenen Klage versucht hat, der Gegner jedoch dieser Rücknahme nicht zugestimmt hat, weil er es ausjudiziert haben will.

Als Österreicher hat man zur Abwechslung mal einen Vorteil, hier ist die Rechtsfrage bereits anders entschieden, also gibt es hier offensichtlich mehr im Vielfliegerbereich versierte Richter:

https://verbraucherrecht.at/cms/index.p ... 4c724901da
--Harald
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Immoblase, anyone?

Post by dejost » 19 Jun 2019, 09:14

House prices, including purchases of both new and existing houses and flats, have fluctuated significantly since 2006 with annual growth rates in the EU of around 8 % in 2006 and 2007, followed by a fall of 4 % in 2009 as a result of the financial crisis. Prices started growing again in 2014.

Overall, between 2010 and 2018, house prices grew in total by 15 % in the EU and by 11 % in the euro area. Among the Member States, the highest increases during this period were observed in Estonia (+83 %), Latvia (+61 %), Austria (+56 %), Sweden (+55 %) and Luxembourg (+50 %), and the largest decreases in Italy (-17 %), Spain (-12 %) and Cyprus (-8 %).
https://ec.europa.eu/eurostat/web/produ ... 20190619-1

Details zu Tirol:
https://tirol.orf.at/stories/3000994/

So gesehen ist dem sozialen Wohnbau und den Gemeindebauten zu danken, dass es in Wien noch nicht so schlimm ist wie in München. Und der schlechten Anbindung an den öffentlichen Verkehr im ländlichen Raum, dass dieser nur wesentlich weniger betroffen ist. So gesehen müssten Immomagnaten Parteien wählen, die mehr öffentlichen Verkehr am Land fordern. Und niemand außer Immomagnaten und Hausherren sollte Parteien wählen, die die Gemeindebauten privatisieren wollen.
Aber wie uns vor allem die rezentere Geschichte lehrt, es finden sich immer genug Leute, die gegen ihre eigenen Interessen wählen.

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