Was sich der ORF immer einfallen lässt - das Blog-im-Blog zum österreichischen Rundfunk

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Re: Was sich der ORF immer einfallen lässt - das Blog-im-Blog zum österreichischen Rundfunk

Post by dejost » 16 Sep 2015, 10:03

Orf.at zitiert aus "Die Bunte": „Vielleicht geht es um verletzte Gefühle, nicht erfüllte Erwartungen."

http://orf.at/stories/2298970/

Je seriöser die Quelle, desto seriöser die Nachrichten.
Ein würdiges 200. Post dieses Topics.

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Re: Was sich der ORF immer einfallen lässt - das Blog-im-Blog zum österreichischen Rundfunk

Post by dejost » 30 Apr 2016, 13:13

Radiotest manipuliert, zugunsten des ORF, berichtet der Standard.

http://derstandard.at/2000035200140/Feh ... t-Erhebung
Der Radiotest miss die Reichweiten der verschiedenen Radiosender. Daran knüpft sich unter anderem, was dort die Sendezeit, insbesondere Werbung, kostet (und wie interessant es für Musikverlage ist, dort ihre aktuellen Hits zu pushen).
Das mit der Erhebung der Radiotestdaten beauftragte Marktforschungsinstitut GfK hat den Auftraggebern des Radiotests mitgeteilt, dass es in der Vergangenheit bei Erhebung und Berechnung der Daten Fehler gegeben habe. Diese würden "ausschließlich im Bereich des Instituts" liegen und zu einer "Verzerrung der Marktdarstellung in der Bandbreite von 1 bis 3 Prozentpunkten" liegen
STANDARD-Infos zufolge hat vor allem der ORF von den fehlerhaften Erhebungen profitiert, für Ö3 sollen bis zu drei Prozentpunkte, für Regionalradios um bis zu zwei Prozentpunkte mehr als laut Interviews ausgewiesen worden sein. Eine Gruppe von Mitarbeitern hätte "Schwankungen glätten" wollen, erklärte GfK gegenüber Radioleuten. Dem Vernehmen nach hat GfK eine externe Firma mit einer forensischen Untersuchung beauftragt. Die Abweichungen sind "nicht zu unseren Gunsten ausgefallen", sagte Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda. Beim ORF sowie beim Marktführer Ö3 wollte man sich über die Pressemitteilung hinaus nicht äußern.
http://derstandard.at/2000035966952/Rad ... n-moeglich
Die Radiotest-Manipulationen durch das Marktforschungsinstitut GfK könnten in den vergangenen fünf Jahren einen Schaden von bis zu 20 Millionen Euro verursacht haben. Nutznießer der Verfälschungen war offenbar der ORF. Während die Daten von Privatsendern teils massiv downgegradet wurden, sollen viele Zahlen des ORF geschönt worden sein. Das sind die ersten Ergebnisse einer derzeit laufenden Überprüfung.
So wies GfK im ersten Halbjahr 2015 in der werberelevanten Zielgruppe (14 bis 49 Jahre) für Ö3 41 Prozent Marktanteil aus, tatsächlich waren es nach Prüfung der manipulierten Daten nur 38 Prozent. Für den ORF insgesamt wurden 64 Prozent ausgewiesen, der wahre Wert lag bei 60 Prozent.
"Steiermark und Vorarlberg sind die zwei schlimmsten Bundesländer, wo die führenden Regionalsender massiv runtergeschrieben worden sind und dafür die ORF-Sender massiv in die Höhe", so Swoboda. "In der Steiermark wären Ö3 und Antenne Kopf an Kopf gewesen, ausgewiesen wurde Ö3 mit Riesenvorsprung. In Vorarlberg war die Antenne weit vor Ö3, im Ausweis war es genau umgekehrt. Das sind die Daten 2015, und wir haben die Information, dass es 2014 und die Jahre davor für die Privaten schlimmer war."
Das Werbevolumen auf dem österreichischen Radiomarkt beträgt etwa 100 Millionen Euro, ein Prozent Marktanteil macht demnach eine Million Euro aus. Allein 2015 könnten also drei bis vier Millionen beim ORF statt bei den Privatsendern gelandet sein. Nach bisherigen Informationen sollen die Manipulationen zumindest bis ins Jahr 2011 zurückreichen.
Daher ergeben sich auch die ca 20 Millionen Schadenersatz, die hier wohl fällig werden könnten.
Wieso das ganze passiert ist, schreibt keiner. Eine der Mutmaßungen ist, dass GfK das aus Gefälligkeit dem ORF gegenüber getan hat, weil sie von dort weiter Aufträge haben wollten. Es sollen auch die Chefitäten davon gewusst haben, der Geschäftsführer der GfK Austria ist auch schon zurückgetreten, offiziell hat das aber alles nichts mit den Manipulationen zu tun.

Der ORF zeigt sich derweil als schlechter Verlierer:
Der ORF meldete unterdessen Zweifel an den neuen Daten von GfK an: "Auch der nun vorliegende Datenbestand lässt erhebliche Zweifel offen, ob die nun auch korrigierten Werte die Marktverhältnisse korrekt abbilden.
Er findet die 20 Mio zu hoch gegriffen und veröffentlicht Daten, dass in anderen Bundesländern zu Lasten von ORF-Radios manipuliert wurden.
Derzeit soll ein Revisionskomitee die wahren Daten erheben, was aber Monate dauern wird.

Für die Zukunft wird diskutiert, wie man das machen soll - Spotify & Co werden hier zB nicht berücksichtigt. Ein Vorschlag ist, dass die (hoffentlich tatsächlich) unabhängigeRundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH das durchführen lässt.

GfK hat übrigens - Ende Februar, muss man fairerweise dazu sagen - eine Umfrage veröffentlicht, in der Khol und Rudi 20% haben, VdB erster ist und Hofer nur 16,5% hatte (die ca 18% von Griss waren dafür relativ exakt).

Was sagen die Standard-PosterInnen dazu?
Ruth Schlabbeeritzka-Pangl wrote:Die Berechnung der 20 Mio stammt offensichtlich aus der Feder desselben Milchmädchens, das den "finanziellen Schaden" durch die Verwendung von Ad-Blockern errechnet hat.

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Re: Was sich der ORF immer einfallen lässt - das Blog-im-Blog zum österreichischen Rundfunk

Post by dejost » 10 Aug 2016, 08:32

Wrabetz wurde neuerlich zum Generaldirektor bestellt.
Der Generalswahlkampf 2016 zeigte wieder klar: Der ORF und wer ihn führt, interessiert Regierungs- wie Oppositionspolitiker brennend. Wohl, weil sie davon ausgehen, dass letztlich der ORF-Chef bestimmt, wer sie in welchen Formaten wie lange wunschgemäß reden lässt – oder ihre Textbausteine und Floskeln hart hinterfragt.
derstandard.at/2000042603303/Ein-General-der-dem-ORF-gebuehrt
Der Stiftungsrat bestellt laut ORF-Gesetz den Generaldirektor. Die Mitglieder des Gremiums werden von Regierung, Parteien, Bundesländern, ORF-Publikumsrat und Betriebsrat beschickt und sind größtenteils in parteipolitischen "Freundeskreisen" organisiert.
derstandard.at/2000042616612/Alexander-Wrabetz-bleibt-ORF-Generaldirektor
Den Sieg holte Wrabetz ohne Stegers Stimme. Ihn unterstützten die SP-Stiftungsräte, Wilfried Embacher (Grüne), Hans Peter Haselsteiner (Neos) und die meisten ORF-Betriebsräte. Betriebsrätin Gudrun Stindl und Kirchenvertreter Franz Küberl enthielten sich
Nun stellt sich - ua - die Frage, ob die Grundfunkgebühren erhöht werden, und falls ja, wie viel. 10,5% sah der die interne Finanzvorschau des ORF vor, was lediglich ein Inflationsausgleich seit der letzten Erhöhrung ist. Minister für ua Medien Drozda (leicht zu verwechseln mit Staatssekretärin für ua Digitalisierung Duzda, beide SPÖ) sah dies schon in "gewissem Gegensatz zu Entlastungsversprechen der Regierung".
Das zeugt von einem grundlegenden (aber verbreiteten) Missverständnis. Der ORF ist nicht dazu da, Regierungswünsche zu erfüllen, ob nun nach Sendezeit, nach freundlicher Behandlung oder auch nach Steuerentlastung. Entlasten könnten Bund und Länder ganz einfach: Sie streichen ihre Abgaben auf die Rundfunkgebühr. Rund 270 Millionen Euro schlagen sie auf, rund ein Drittel, keineswegs alles für Medienzwecke. Und: Medienminister haben bei Gebührenerhöhungen nichts mitzureden (sie tun es dennoch gern).
derstandard.at/2000042603303/Ein-General-der-dem-ORF-gebuehrt

Natürlich gibt's jetzt sonstige Personalspekulation, die ich hier aber nicht wiedergebe.

Kurz ein paar Worte zu Wrabetz Konzept, mit dem er die Wahl gewonnen hat. Vom Standard kann man es runterladen http://images.derstandard.at/2016/08/09 ... betz_1.pdf
Es soll ein neues, längeres Fernsehnachrichtenformat geben, das aber - so meine Einschätzung - auch mehr Richtung Infotainment gehen soll und Social-Media-Inhalte haben soll. Mit ORF1 To Go soll das, was sie mit der Zib 100 begonnen haben, weiterentwickelt werden.
Und ein Format mit den Tagespresse-Schreibern soll es geben. Finde zwar die Tagespresse oft sehr gut, aber ob das ins Fernsehen übertragbar ist?
Eine Bundesländerquizshow soll's geben und eine monatliche Weltpolitiksendung mit Raimund Löw (hoffentlich so ähnlich wie das Europastudio, das ich eigentlich als sehr gelungen sehe. Schätze aber, es wird mehr so wie Löws Europa-Diskussonsrunde auf ORF III, die immerhin den Vorteil hat, dass dort EU-Abgeordnete diskutieren, von denen man sonst im ORF kaum was sieht oder hört).

Wrabetz will mehr Richtung Youtube und Zugänglichkeit von ORF-Inhalten ohne Bezahl- und Zeitschranke gehen, was ich sehr gut finde, hier gibt es aber rechtliche Hürden, mit deren Details ich mich (noch) nicht auseinandergesetzt habe. Ö1 soll relauncht werden, aber es ist unklar wie genau. Die Landesstudios sollen autonomer werden, was sicherlich so machen Landeshauptmann freut.

Ein bisschen was zur Bestellung schreibt auch VwGH-Richter Lehofer in seinem von mir oft verlinkten Blog: http://blog.lehofer.at/2016/08/gluecksspiel.html

So, abschließend ist es wohl an der Zeit, dass ich mein ORF-Verhalten offenlege:
Ich höre ab und zu Ö1, vor allem die Journalsendungen und Help. Vereinzelt höre ich FM4 bei Autofahren (fahre aber selten Auto).
Irgendwo habe ich sogar einen Fernseher rumstehen, wüsste aber nicht mehr, wan ich den zuletzt angedreht habe - sollte die Gebührenerhöhung doch kommen, überlege ich, den zu verschenken/verkaufen und nur mehr Radio zu zahlen.
Ab und zu streame ich Polit-Diskussionssendungen, das oben erwähnte Europastudio zB, oft auch die Pressestunde udgl. Die diesjährigen Sommergespräche habe ich bis jetzt nicht gesehen. Manchmal noch Nachrichtensendungen. Den Tatort streame ich zumeist über die ARD, da macht der Stream deutlich weniger Probleme und es gibt die ganze Sendung wenige Minuten nach dem er begonnen hat.

Auf orf.at schaue ich mehrfach am Tag.

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ORF stellt sich Eurofighter-Vorwürfen

Post by dejost » 08 Mar 2017, 09:53

ORF gibt sich transparent beim Umgang mit Lobbying-Vorwürfen für den Eurofighter

Momentan kocht die ganze Eurofighter-Geschichte wieder hoch. Nur ganz kurz, für die Nachwelt, hat Österreich unter Schwarz-Blau Kampfflugzeuge von EADS vom Typ Eurofighter gekauft, die aber nach der Meinung einiger bis vieler nicht die beste Wahl waren und nicht sonderlich preiswert. Es gab verschiedenste Korruptionsvorwürfe, die zwar sogar zu einer Art Diversion im UK geführt haben, in Österreich wurde aber nie irgendetwas eindeutiges beweisen. Es gab auch schon mal einen Untersuchungsausschuss dazu, der aber auch nicht viel gebracht hat.
Als Darabos, derzeit Kronprinz im Burgenland, Verteidigungsminister war, hat er einige der Probleme, die es gab, als Anlass für eine Art Nachverhandlung genommen, und auch dieser Deal wird nachträglich skeptisch betrachtet, was auch damit zusammenhängt, dass in zeitlicher Näher der erwähnte Ausschuss "abgedreht" wurde.

Wie dem auch sei, in dem Zusammenhang tauchten Vorwürfe auf, dass ein leitender ORF-Mitarbeiter 2002 Lobbyingtätigkeiten für den Eurofighter-Konzern EADS durchgeführt.
Vor her weiß ich das? Von orf.at

http://orf.at/stories/2382415/
Eine erste kurzfristige Überprüfung der bisher kolportierten entsprechenden Informationen habe zu keinen Ergebnissen geführt. Nun habe [Generaldirektor Wrabetz] die Revision beauftragt, eine „vertiefende Prüfung durchzuführen“, sagte er heute gegenüber der APA.
[Weiters] berichtete „profil“ überdies davon, dass es ab 2003 Pläne im ORF gegeben habe, die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Senders für eine Stimmungsmache pro Eurofighter zu instrumentalisieren. Basis dieses Berichts sei ein „geheimes Strategiepapier“, das „offensichtlich von einem leitenden ORF-Mitarbeiter mit militärischem Background verfasst“ worden sei, so das Nachrichtenmagazin.die Revision beauftragt, eine „vertiefende Prüfung durchzuführen“, sagte er heute gegenüber der APA.
Konkret wollte man teils über Produktionskostenzuschüsse an „Willkommen Österreich“ - damals noch die Nachmittagsschiene von ORF2, nicht wie heute eine Comedy-Sendung - vor allem „den Frauen und den Pensionisten“ den Ankauf schmackhaft machen, schrieb „profil“. Auch darauf fand der ORF vorerst keinerlei Hinweise, versicherte man auf dem Küniglberg.

Doch „der ORF ist an einer lückenlosen Aufklärung der im Raum stehenden Verdachtsmomente höchst interessiert“, so Wrabetz. „Daher habe ich die interne Revision mit einer detaillierten Prüfung des Sachverhalts beauftragt. Im Interesse des ORF muss jeglicher Verdacht ausgeräumt oder auch bestätigt und dann mit allen zu Gebote stehenden Mitteln aufgearbeitet und sanktioniert werden.“
Inhaltlich habe ich von der ganzen Eurofighter-Geschichte kaum Ahnung. Zwar hege ich auch den Verdacht, dass es zur "aggressiven Zahlung von Erfolgszahlungen" (Euphemismus für Korruption) gekommen ist und dass die Gegengeschäfte, wo dann irgendwelche alten Werkzeuge mit zigtausend Euro bewertet wurden, stellenweise sehr eigenartig sind, aber das habe ich auch nur aus Medienberichten. Falls sich jemand vertiefend damit beschäftigt hat, würden wir uns über Postings dazu sehr freuen.

Wieso ich das schreibe ist, um den ORF zu loben. Ich finde das sehr gut, dass er die Vorwürfe auf seiner eigenen Startseite nicht sehr versteckt platziert, sie inhaltlich zumindestens zusammenfasst und eben sagt, dass er an einer Aufklärung interessiert ist.
Ich möchte das Lob aber noch unter dem Vorbehalt bedingen, dass auch die Ergebnisse nachher ebenso vorbildlich kommuniziert werden.

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Der ORF schneidet auch diese Wahl wieder die Kleinen

Post by dejost » 24 Sep 2017, 15:29

So wie bei allen mir erinnerlichen Wahlen haben die "neuen" Parteien einen wesentlich geringeren Anteil an der Berichterstattung als die großen, etablierten - einzige Ausnahme ist die Liste Kurz, die so (bevorzugt) behandelt wird, als wäre sie die alte ÖVP.

Da ist es nicht zu knapp ironisch (oder eher realsatirisch), dass der ORF titelt: "Ein Parlament nur mit den Großen" (http://orf.at/ballhausplatz2/stories/2406926/).
Im Artikel heißt es zwar "Am 25. Oktober treten bundesweit zehn Parteien an, sechs davon können sich Hoffnung machen, den Einzug zu schaffen. Neben SPÖ, ÖVP und FPÖ sind das nach derzeitigem Umfragestand die Grünen, NEOS und die Liste Peter Pilz", die Proponenten der Liste Pilz haben übrigens einige Rechtsmittel angekündigt, um deren Benachteiligung vor diverse Gerichte zu bringen - wohl erst aber nach der Wahl.

Im Artikel geht es primär um demokratiepolitische Probleme, wenn nur "große" Parteien in das Parlament kommen. Das ist im Zusammenhang natürlich besonders albern, wenn der ORF die großen, alten Parteien und die neue Liste Kurz generell gleichzeitig (im zitierten Artikel aber nicht) pusht.

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Re: Was sich der ORF immer einfallen lässt - das Blog-im-Blog zum österreichischen Rundfunk

Post by dejost » 22 Feb 2018, 07:53

Die Attacken der FPÖ, allen voran Vizekanzlers (!) Strache, auf den ORF sind zumeist völlig indiskutabel.

(Für die Nachwelt: Strache postete auf Facebook (u ev weiteren Social Media Kanälen) ein Sujet, mit dem Inhalt (nicht ganz wortwörtlich, aber jedenfalls sinngelich): "Es gibt einen Ort, wo Lügen zu Nachrichten werden: Den ORF). Dabei war noch ein Bild des ZIB2-Anchorman Armin Wolf. Strache schrieb aber dazu "Satire ;-)" und war deswegen der Meinung, deswegen sei alles ok. Später ruderte er etwas zurück. Wolf schrieb einen langen Blogbeitrag, und kündigte rechtliche Schritte an, die aber soweit ich weiß derzeit noch in keinem Urteil oder Verhandlung mündeten. Ungefähr alle, sogar die Krone, verurteilten Straches Angriff.
Grundsätzlich würde ich sagen, wer nicht einmal im Ansatz weiß, wie er sich als Minister zu benehmen hat, sollte diesen Posten sofort räumen, und wenn er selbst dafür zu inkompetent ist, muss ihn halt wer anderer rauswerfen. Andrerseits ist Trump immer noch Präsident, also bin ich vielleicht einfach zu altmodisch).

Wieso zumeist?
Der ORF leistet sich selber auch immer wieder Schnitzer, manchmal sogar gröbere, und eben auch im Zusammenhang mit der FPÖ.

https://www.kobuk.at/2018/02/orf-tirol- ... lerkultur/

Für Details verweise ich auf den verlinkten Kobuk-Artikel, Kurzfassung ein einem Lokalbeitrag hat der ORF etwas so zusammengschnitten, als ob der Eindruck entsteht, dass der FPÖ-Spitzenkandidat mit den antisemitischen etc Aussagen eines Diskutanten übereinstimmt, was aber nicht gestimmt hat.
Der ORF hat dann in Folge einen "richtigeren" Beitrag gesendet, laut Kobuk aber nie irgendein Fehlverhalten odgl eingestanden oder sich sonstwie entschuldigt.
Wie zeitlich nah das zu Straches "Satire" war und ob das in die Beweiswürdigung des Gerichts einfließen wird, wird sich zeigen - Armin Wolf hat jedenfalls nichts damit zu tun.

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Re: Was sich der ORF immer einfallen lässt - das Blog-im-Blog zum österreichischen Rundfunk

Post by harald » 18 Mar 2018, 14:54

Straches Post kam soweit ich das mitbekommen habe, nach dem ORF Schnitzer.

Wolf und Strache haben sich, nachdem letzterer im einstweiligen Zivilverfahren unterlegen ist, verglichen, Text sollte auf der Krone Seite zu finden sein und auf deiner FB Seite.
--Harald
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Was sich die Feinde des ORF immer einfallen lassen

Post by dejost » 19 May 2018, 20:27

Was sich die Feinde des ORF immer einfallen lassen

Historisch (dieses Forum gibt es ja seit über 12 Jahren, nur etwas kürzer als Facebook, wenngleich weniger erfolgreich, da kann man mit solchen Begriffen schon um sich werfen) war das Thema dieses Topics, dass sich GIS-Gebührenzahler&innen (vor allem ich) über den ORF beschwerten.

Aufgrund der Änderung in der Medienlandschaft ist der ORF weniger wichtig geworden, im Topic hat sich weniger getan und ich zB habe gar keinen Fernseher mehr (zahle aber die reduzierte GIS-Gebühr, weil ich ja Radiogeräte habe und oft Ö1 höre).

Daher drehen sich viele der rezenten Beiträge hier (und wohl auch die nächsten) um Angriffe auf den ORF, überwiegend von der FPÖ.

Vorneweg, man muss nicht der Meinung sein, dass es überhaupt einen staatlich finanzierten Rundfunk braucht - ich persönlich habe keine tiefe Überzeugung dazu, aber die meisten Länder haben so etwas, und die Schweizer haben sich kürzlich in einer Volksabstimmung dafür ausgesprochen, also scheinen die Argumente prima vista überzeugend.

Eines möchte ich dazu nur sagen, wir leben bekanntlich in einer Zeit des Post-Faktischen, wo die Mächtigen einfach lügen und nichts passiert, wo der wahrgenommene Wahrheitsgehalt in den Medien deutlich abgenommen hat ("Lügenpresse, halt die Fresse") und wo es immer mehr immer schlechtere Medien gibt und immer weniger Qualitätsjournalismus (ein Begriff, der imho grundsätzlich abzulehnen ist, oder geht ihr etwa ins Qualitätsrestaurant essen, zum Qualitätssupermarkt einkaufen oder werden Führerscheine von Boulevardpolizisten kontrolliert? Der Begriff ist in solchen Diskussionen aber leider sehr nützlich.).
Und da ist der ORF - trotz aller berechtigter Kritik - immer noch ein Leuchtturm an Qualität und Ausgewogenheit (es darf in diesem Zusammenhang an das Dorfer-Zitat erinnert werden: "Österreichischer Qualitätsjournalismus ist ein Begriff wie niederländische Bergbauern").

Ein weiteres Problem ist, dass die Politik seit Jahr und Tag versucht, möglichst viel Einfluss zu haben, was Vertrauen kostet und wohl auch im ORF viel Ressourcen frisst.

Jemand, der keinen Hehl daraus macht, dass er Einfluss nehmen möchte, ist Dr. Steger, der neue Stiftungsratsvorsitzende
Erzieherisch" will Norbert Steger auf die ORF-Journalistinnen und -Journalisten wirken. Etwa wenn er ihnen bei wiederholten Verstößen gegen Social-Media-Richtlinien mit Entlassung droht.
derstandard.at/2000080010163/Dr-Stegers-falsche-ORF-Erziehung
Da können wir nur froh sein, dass es für Vizekanzler keine solchen Richtlinien gibt.

In den verlinkten Artikel wird über ein Interview gesprochen, in dem Dr. Steger dem ORF falsche Berichterstattung vorwirft. Der Standard hat recherchiert und herausgefun, dass diese falsche Berichterstattung, die Steger gesehen haben will, gar nicht so stattgefunden hat.
Vielleicht sollten sich auch Stiftungsratschefs wahrheitsgemäßer Wiedergabe verpflichtet fühlen. Vor allem, wenn sie dazu "erziehen" wollen. - derstandard.at/2000080010163/Dr-Stegers-falsche-ORF-Erziehung
Ich kann nicht beurteilen, ob sich Steger vielleicht einfach falsch erinnert oder ob er einfach frech lügt, weil er weiß, es passiert ihm eh nichts und etwas wird schon hängenbleiben. Beides wären keine Ruhmesblätter, aber im letzteren Fall wäre ein Rücktritt fällig - zu dem es in Österreich nicht einmal kommen würde, wenn er das schriftlich zugegeben hat.
rhizom1 wrote:Super wäre gewesen, wenn ihm in den rund 15 Minuten nur solche Frage gestellt worden wären:

"Zu ihren Hobbies zählt unter anderem Basketball. Wie kam es dazu? Können Sie uns dazu etwas erzählen?"

"Herr Dr. Steger, außerdem sollen Sie eine Leidenschaft für den Tennissport pflegen. Seit wann spielen Sie Tennis? Welches war bislang ihr spannendstes Match?"

"Man hört, Sie seien ein Freund der klassischen Musik. Können Sie uns etwas über Ihre Lieblingskomponisten mitteilen? Welche Stücke hören Sie sich zu Hause an?"

Und zum Ende hin: "Dürfen wir Sie noch etwas fragen?" Wenn Steger dann aufblickt und antwortet: "Ja, bitte.", dann als Abschlussfrage: "Was?"

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Re: Was sich der ORF immer einfallen lässt - das Blog-im-Blog zum österreichischen Rundfunk

Post by HalberHannes » 20 May 2018, 22:19

Bei dieser Frage sind einfach alle Kommentatoren und auch die "Kunden" irgendwann furchtbare Zyniker geworden, geht ja gar nicht anders. Sehe das prinzipiell ähnlich wie du, dejost, wieso man zahlen sollte wenn man nicht fernsieht oder keinen TV hat, klingt ja erst einmal bewusst kontraproduktiv. Selbst konsumiere ich eigentlich die Sendungen auch nur noch mittels Internet hier und da, halt zielgruppengerecht. Zum Thema der Beeinflussung - der angesprochene Zyniker würde meinen, es gibt immmer politische Manipulation, also ist eigentlich wurscht, welche Seite gerade am ORF zerrt und so wild kann es eigentlich gar nicht sein. Angesichts dessen, dass immer weniger zuschauen, ist die Wirkung natürlich weniger wild als früher aber so frech und direkt hat es wohl seit mindestens 12 Jahren keiner mehr versucht und ich würde mutmaßen, man müsste noch eine ganze Ecke weiter zurück gehen.

Sehe ich als massives Problem, vor allem aber bzgl der Ergebnisse auch für die ältere Generation, die hier massiv stärker konsumiert und viel besser erreichbar ist. Dass die jüngeren Medienkonsumenten stattdessen 1000 verschiedene Seiten konsumieren und selbstständig entscheiden dürfen, was sie wie glaubwürdig halten, hat ne ganze Ecke eigene Vor- und Nachteile, die uns in 10-20 Jahren wohl noch einige Ecken mehr beschäftigen wird. Bin daher immer für das Vorhandensein eines Öffi-"Basisangebotes", welches mit den anderen Gratismedien mithalten kann, sonst wird Information zukünftig wieder eine stärker von Besitzer-Interessen geleitete Angelegenheit.
"“I accept chaos, I'm not sure whether it accepts me.” ― Bob Dylan

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